Fibromyalgie im Herbst - Einfach nur schrecklich?
Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken und draußen wechseln sich Nieselregen, Wind und vereinzelte Wolkenlücken ab. Für viele Menschen mit Fibromyalgie beginnt nun eine Zeit, in der sich der Körper noch schwerer anfühlt: Die Schmerzen nehmen zu, die ohnehin knappe Energie sinkt weiter und das Aufstehen wird noch schwieriger als sonst.
Vielleicht kennst du das auch. Du selbst hast nichts verändert, aber dein Körper scheint im Herbst noch weniger mitspielen zu wollen.
Ich habe keine offizielle Statistik geführt, aber ich würde sagen: Etwa 80% meiner Fibromyalgie-Patienten geht es so. Nur etwa 10% hingegen freuen sich auf den Herbst und Winter, da sie im Sommer mehr Beschwerden haben (ja, auch das kommt vor) und für weitere 10% macht die Jahreszeit keinen Unterschied.
Aber was passiert im Herbst denn so Schlimmes im Körper?
Verschiedene Einflüsse kommen jetzt zusammen: weniger Tageslicht, Kälte, Nässe, deswegen weniger Bewegung, ein veränderter Tagesrhythmus und möglicherweise zum Jahresende hin auch mehr Stress. Nicht jeder Mensch mit Fibromyalgie reagiert auf dieselben Faktoren. Aber es lohnt sich, genauer hinzuschauen und den eigenen Alltag jetzt ein wenig an die Jahreszeit anzupassen.
1. Weniger Licht, ein anderer Rhythmus
Im Herbst wird es morgens später hell und abends früher dunkel. Das kann Schlaf, Stimmung und Energie erheblich beeinflussen. Bei Fibromyalgie, wenn der Schlaf ohnehin oft nicht erholsam ist, können solche Veränderungen besonders auffallen.
Was dir gegen die Dauermüdigkeit helfen kann:
Morgens möglichst früh Tageslicht bekommen – auch bei Wolken. Dadurch unterbrichst du die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin, das dich an dunklen Tagen dauermüde hält.
Zu möglichst regelmäßigen Zeiten aufstehen und schlafen gehen.
Spaziergänge in die hellere Tageszeit legen (vielleicht eignet sich für eine kurze Runde deine Mittagspause).
Eine Tageslichtlampe (nach passender Beratung) einsetzen - am besten direkt nach dem Aufstehen. Abends solltest du sie aber nicht verwenden, denn dann kann sie deinen späteren Nachtschlaf stören.
2. Kälte und Nässe können Beschwerden verstärken
Viele Betroffene berichten, dass Kälte, feuchte Luft oder Wetterwechsel Schmerzen und Steifigkeit beeinflussen. Diese Reaktion ist nicht nur für Fibromyalgie, sondern auch für viele andere Erkrankungen wie Rheuma oder Arthrose schon lange beschrieben.
Wenn dein Körper bei Kälte mit mehr Schmerzen und Steifigkeit reagiert, können Wärme und sanfte Bewegung angenehm sein:
warme Kleidung, denk insbesondere auch an Handschuhe und warme Socken und Schuhe
Wärmflasche, warmes Bad oder warme Dusche
kurze, sanfte Bewegungsübungen am Morgen oder nach längerem Sitzen
Sauna oder Infrarotkabine, wenn du sie gut verträgst
3. Bewegung: regelmäßige kleine Einheiten statt "alles oder nichts"
Bei Kälte und Regen fällt Bewegung den meisten Menschen schwerer, insbesondere natürlich jede Aktivität, die du draußen ausübst. Wenn du Schmerzen hast und dich erschöpft fühlst, wird vielleicht schon ein kurzer Spaziergang zur unliebsamen Pflichtübung. Trotzdem unterstützt regelmäßige Bewegung deine Stimmung und dein körperliches Wohlbefinden.
Dabei geht es nicht darum, dich durch Schmerzen hindurchzuquälen. Vielleicht sind kurze Spaziergänge morgens nach dem Aufstehen oder nachmittags direkt nach der Arbeit, sanfte Übungen zu Hause (dazu gibt es auch viele Videoanleitungen), Bewegungen zu Musik oder ein Rehasportkurs mit festen Terminen für dich passend.
Der wichtigste Grundsatz lautet: überschaubar und regelmäßig statt übertrieben intensiv. Wenn du nach einer Aktivität regelmäßig deutlich mehr Beschwerden hast, solltest du Dauer und Intensität anpassen.
4. Ernährung und Darm im Herbst
Wenn es kälter wird, verändern sich bei vielen Menschen die Essgewohnheiten: Es gibt mehr üppige Mahlzeiten und auch Süßigkeiten landen häufiger auf dem Teller. Viele Menschen neigen in den Herbst- und Wintermonaten stärker zum "Snacken". Das ist bekannt und kein Drama. Bei Fibromyalgie können Veränderungen der Ernährung deine Beschwerden allerdings durchaus beeinflussen.
Vielleicht hilft es dir,
regelmäßige Mahlzeiten Schritt für Schritt wieder aufzubauen, indem du es mit einem Wochenplan versuchst, gleich für 2 Tage kochst und einige Portionen für erschöpfte Tage einfrierst,
warme, für den Herbst passende Gerichte zu kochen, z.B. Suppen bzw. Eintöpfe
Ballaststoffe einzubauen und langsam zu steigern, zum Beispiel durch saisonales Gemüse und Hülsenfrüchte
ausreichend zu trinken (im Sommer denken wir eher daran als im Herbst und Winter und werden auch häufiger daran erinnert)
5. Der Herbst kann auch schöne Seiten haben
Webinar-Tipp: Fibromyalgie Plus
Vielleicht lebst du zusätzlich mit Arthrose, chronischen Rückenschmerzen oder einer rheumatischen Erkrankung? Auch diese Beschwerden werden in der kälteren Jahreszeit oft schlimmer.
Dann entsteht schnell das Gefühl: Für jede Erkrankung gibt es andere Ratschläge – aber wie soll das alles zusammenpassen?
Sinnvoll ist ein gemeinsamer Blick auf deine Situation:
Welche Beschwerden überschneiden sich?
Was braucht eine eigene medizinische Abklärung?
Welche Empfehlungen lassen sich miteinander verbinden?
Was ist im Alltag realistisch umsetzbar?
Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie Fibromyalgie und andere gesundheitliche Themen zusammenwirken können, lade ich dich herzlich zu meinem Webinar „Fibromyalgie Plus“ am 18. November ein, denn dort sprechen wir über genau dieses Thema.
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