Fibromyalgie und Arthrose: Wenn beides zusammenkommt
Wie lange lebst du schon mit Fibromyalgie? Vielleicht sind es schon Jahre oder gar Jahrzehnte? Du kennst deine wechselnden Schmerzen, die Erschöpfung, die besseren und die schlechteren Tage. Wenn nun plötzlich dein Knie schmerzt, sich die Finger steif anfühlen oder der Rücken stärkere Beschwerden macht, denkst du zunächst:
„Na, das wird wohl wieder die Fibromyalgie sein.“
Das ist verständlich. Viele Betroffene haben gelernt, ihre vielfältigen Beschwerden im Zusammenhang mit der Fibromyalgie zu betrachten. Auch Ärzte neigen manchmal dazu, neue Beschwerden rasch auf die chronische Schmerzerkrankung zurückzuführen. Doch irgendwann (meist im mittleren bis höheren Lebensalter) kommt wahrscheinlich auch für dich Tag, an dem sich herausstellt: Du hast nicht nur Fibromyalgie. Zusätzlich hast du auch Arthrose. Im Knie, in der Hüfte, an den Händen oder an der Wirbelsäule.
Die Diagnose „Arthrose" ist für viele meiner Patientinen und Patienten erstmal ein Schock. Schließlich verbinden wir Arthrose automatisch mit fortschreitendem Verschleiß im Körper, mit dem Altern, mit Einschränkungen, mit noch mehr Schmerzen und vielleicht auch mit der Aussicht auf einen irgendwann anstehenden Gelenkersatz.
Was genau ist Arthrose?
Bei Arthrose verändern sich der Gelenkknorpel und weitere Strukturen innerhalb und rund um ein Gelenk. Der Knorpel kann dünner und unregelmäßiger werden. Auch Knochen, Gelenkinnenhaut, Bänder und die umgebende Muskulatur können beteiligt sein.
Arthrose wurde früher vor allem als reine Verschleißerkrankung betrachtet. Heute wissen wir, dass auch Stoffwechselvorgänge und entzündliche Prozesse im Gelenk eine Rolle spielen können.
Besonders häufig betroffen sind:
- Knie- und Hüftgelenke,
- die kleinen Gelenke an den Händen,
- die Wirbelsäule und die kleinen Wirbelgelenke.
Ein Befund im Röntgenbild erklärt allerdings nicht automatisch alle Beschwerden. Manche Menschen haben deutliche Veränderungen und nur geringe Schmerzen. Bei anderen sind die Schmerzen stärker, obwohl die sichtbaren Veränderungen weniger ausgeprägt sind.
Entscheidend ist deshalb immer das Zusammenspiel aus deinen Beschwerden, der körperlichen Untersuchung und gegebenenfalls bildgebenden Verfahren.
Wie unterscheiden sich die Arthrose-Schmerzen von den Fibromyalgie-Schmerzen?
Fibromyalgie verursacht meist weit verbreitete, wandernde und wechselnde Schmerzen. Dazu kommen oft Erschöpfung, Schlafprobleme und eine erhöhte Empfindlichkeit des Nervensystems.
Arthroseschmerzen sind dagegen häufiger einem bestimmten Gelenk (oder mehreren) zuzuordnen. Sie können bei Belastung oder nach einer Ruhephase stärker werden. Manche Menschen erleben einen Anlaufschmerz: Die ersten Schritte nach längerem Sitzen tun besonders weh, danach wird es etwas besser.
Auch Bewegungseinschränkungen, Reibegeräusche oder sichtbare Veränderungen, zum Beispiel an den Fingergelenken, können Hinweise auf Arthrose sein. Gelenke, die von Arthrose betroffen sind, können auch anschwellen. Dann kann die Abgrenzung gegenüber entzündlichem Rheuma manchmal schwierig sein.
Nicht jeder neue Schmerz ist automatisch Fibromyalgie. Wenn Beschwerden neu auftreten, sich deutlich verändern oder mit Schwellung, Überwärmung oder zunehmender Bewegungseinschränkung einhergehen, solltest du sie unbedingt ärztlich abklären lassen.
Die Herausforderung. wenn beides zusammenkommt
Bei Fibromyalgie verarbeitet dein Nervensystem Schmerzsignale empfindlicher. Ein Schmerz aus einem arthrotischen Gelenk kann für dich dadurch besonders belastend werden.
Gleichzeitig führt ein schmerzendes Gelenk oft dazu, dass man sich weniger bewegt. Das ist verständlich, kann aber auf Dauer zu weniger Muskelkraft und noch geringerer Belastbarkeit führen. Dadurch werden Alltag und Bewegung noch anstrengender, außerdem fördert Bewegungsmangel die Fibromyalgie-Beschwerden.
So kann ein ungünstiger Kreislauf aus Schmerz, vermehrtem Schonen und immer weniger Aktivität entstehen. Dem solltest du entgegenwirken.
Das bedeutet nicht, dass du dich einfach mehr bewegen musst. Entscheidend ist die passende Dosierung.
Was kann bei der Kombination aus Fibromyalgie und Arthrose helfen?
Regelmäßige, angepasste Bewegung kann sowohl bei Fibromyalgie als auch bei Arthrose hilfreich sein. Geeignet können zum Beispiel sein:
- Spaziergänge oder Walking,
- Radfahren,
- Bewegung im Wasser,
- sanftes Krafttraining,
- physiotherapeutisch angeleitete Übungen.
Lass dich vorab ärztlich beraten. Beginne langsam und passe die Belastung an deine Tagesform an. Wenn die Beschwerden deutlich zunehmen, war die Belastung vielleicht zu hoch oder die Erholung zu kurz.
Auch eine ausgewogene Ernährung kann Muskeln, Knochen und Gelenke unterstützen. Achte – soweit du es verträgst – auf Gemüse, Obst, passende Ballaststoffquellen, ausreichend Eiweiß, Nüsse, Samen und hochwertige pflanzliche Öle.
Eiweiß steckt zum Beispiel in Naturjoghurt, Quark, Eiern, Fisch, Geflügel, Tofu, Tempeh, Linsen, Bohnen und Kichererbsen. Nahrungsergänzungsmittel solltest du nicht einfach auf Verdacht einnehmen. Ob ein Mangel besteht, kann ärztlich oder ernährungsmedizinisch geklärt werden.
Was ist wichtig?
Fibromyalgie und Arthrose können gemeinsam auftreten. Die eine Diagnose macht die andere nicht weniger wahrscheinlich.
Gleichzeitig gibt es gemeinsame Ansatzpunkte: angepasste Bewegung, ausreichend Erholung, eine ausgewogene Ernährung und ein besseres Verständnis für die Signale deines Körpers.
Nicht jeder Schmerz lässt sich vermeiden.
Aber du kannst lernen, besser mit ihm umzugehen – auch wenn du mehr als eine Diagnose hast.
Webinar: Fibromyalgie PLUS
Wenn auch du nicht nur mit Fibromyalgie, sondern auch mit Begleiterkrankungen wie Arthrose, chronischen Rückenschmerzen, Rheuma oder Diabetes kämpfst, könnte mein nächstes Live-Webinar „Fibromyalgie PLUS – Gut umgehen mit Begleiterkrankungen bei Fibromyalgie (z.B. Arthrose, Rheuma, Diabetes, Adipositas) “ genau das Richtige für dich sein. Am 18. November 2026 um 18 Uhr schauen wir uns gemeinsam an, wo du konkret ansetzen kannst, wenn bei dir gleich mehrere Diagnosen bestehen - und was du lieber vermeiden solltest. Ich freue mich auf dich!
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