Immer in Alarmbereitschaft? Über Daueranspannung bei Fibromyalgie
„Ich kann einfach nicht abschalten.“ Diesen Satz höre ich in meiner Fibromyalgie-Sprechstunde häufig. Manche meiner Patienten beschreiben, dass sie innerlich ständig angespannt sind – als könne jederzeit etwas passieren. Selbst wenn es gerade ruhig ist, bleibt ein Teil von ihnen aufmerksam und auf Empfang.
Vielleicht kennst du das selbst auch: Du lauschst auf jedes Geräusch, erschrickst schnell oder gehst im Kopf schon durch, was als Nächstes erledigt werden muss. Dein Körper fühlt sich angespannt an, obwohl du dich eigentlich ausruhen möchtest.
Das kann sehr anstrengend sein. Und es bedeutet nicht, dass du dich einfach nur „mehr entspannen“ müsstest. Das funktioniert nämlich oft gar nicht so einfach.
Was ist mit Alarmbereitschaft gemeint?
Mit „Alarmbereitschaft" meine ich einen Zustand, in dem Körper und Aufmerksamkeit besonders wachsam sind. Das kann sich ganz unterschiedlich zeigen: durch angespannte Muskeln, flache Atmung, innere Unruhe, häufiges Grübeln, Schreckhaftigkeit oder Schwierigkeiten, zur Ruhe zu kommen.
Nicht alle erleben das gleich. Und solche Anzeichen können viele Ursachen haben.
Warum kommt der Körper manchmal nicht zur Ruhe?
Unser Körper reagiert auf Gefahren mit Schutz- und Stressreaktionen - und zwar auch dann, wenn diese Belastungen noch gar nicht eingetreten sind, sondern sich nur im Kopf abspielen. Bei anhaltenden Schmerzen, nicht erholsamem Schlaf, vielen Anforderungen oder Unsicherheit über die eigene Tagesform kann es schwerer werden, aus einer angespannten Phase wieder herauszufinden. Auch die ständige Aufmerksamkeit für das, was andere brauchen, kann das Gehirn in den Alarmmodus versetzen. Bei manchen Menschen spielen auch frühere Erfahrungen von Bedrohung und Unsicherheit eine Rolle - selbst wenn diese Zeiten lange zurück liegen.
Kleine Momente, die Entlastung ermöglichen können
Du kannst und musst deinen inneren Alarmmodus nicht auf Knopfdruck ausschalten. Ein erster Schritt kann sein, ihn überhaupt wahrzunehmen – ohne dich dafür zu kritisieren.
Vielleicht möchtest du eine dieser Möglichkeiten ausprobieren:
Deine Umgebung wahrnehmen: Spüre, wo deine Füße den Boden berühren. Schau dich langsam um und nimm wahr, was du siehst ... welche Farben, Formen, Gegenstände. Das kann helfen, die Aufmerksamkeit wieder stärker auf den gegenwärtigen Moment zu richten.
Reize reduzieren: Wenn Licht, Geräusche oder viele gleichzeitige Aufgaben dich belasten, kannst du prüfen, ob sich davon etwas verringern lässt.
Atmung nutzen, wenn sie angenehm ist: Manche Menschen empfinden es als hilfreich, langsam und ruhig ein- und dann noch etwas länger auszuatmen. Wenn Atemübungen dich unruhiger machen, lass sie weg oder probiere etwas anderes
Es geht nicht darum, dich zur Entspannung zu zwingen. Beobachte selbst, was dir guttut – und was nicht.
Wenn die Anspannung anhält
Wenn du dich über längere Zeit kaum erholen kannst, stark unter der Anspannung leidest oder sie deinen Alltag erheblich einschränkt, sprich mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer psychotherapeutischen Fachperson darüber. Gemeinsam könnt ihr anschauen, welche Belastungen eine Rolle spielen könnten und welche Unterstützung für dich passend ist. Neue oder deutlich veränderte Beschwerden sollten nicht automatisch der Fibromyalgie zugeschrieben, sondern medizinisch eingeordnet werden.
Wenn du mehr erfahren willst:
Online-Seminar: Raus aus dem inneren Druck
Bist du ständig angespannt und hast du den Eindruck, dich selbst stark unter Druck zu setzen? In meinem Online-Seminar „Raus aus dem inneren Druck“ schauen wir gemeinsam darauf, wie Ansprüche und zu viel Verantwortung den Alltag belasten können – und welche kleinen Schritte helfen, zurück zur inneren Ruhe zu finden.
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