Das Schmerzgedächtnis löschen? Kann man Fibromyalgie-Schmerzen loswerden?
Kann man die Schmerzen bei Fibromyalgie irgendwie loswerden?
Wenn du mit Fibromyalgie lebst, kennst du vermutlich diesen Gedanken:
Aus meiner Erfahrung schätze ich das so ein: Dass die Fibromyalgie-Schmerzen ganz und dauerhaft verschwinden, ist nach heutigem Wissensstand eher unwahrscheinlich. (Ich habe das in ganz seltenen Fällen schon erlebt, es ist aber wirklich eine Ausnahme).
Aber: Dein Nervensystem ist nicht starr – und du hast mehr Einfluss darauf, wie sich deine Fibromyalgie entwickelt, als du vielleicht denkst.
Was wir heute über das Schmerzgedächtnis wissen
Früher dachte man, dass chronische Schmerzen kaum zu beeinflussen seien.
Heute wissen wir aus der Hirnforschung: Das stimmt so nicht.
- Dein Gehirn bleibt ein Leben lang formbar (Neuroplastizität).
- Es kann lernen, Schmerz immer schneller und stärker zu melden – das nennen wir oft Schmerzgedächtnis.
- Alles, was gelernt wurde, kann grundsätzlich auch neu beeinflusst werden.
Wichtig ist dabei die Erwartung:
- Bei Fibromyalgie ist vollständige Schmerzfreiheit eher selten.
- Aber viele schaffen es,
- dass die Schmerzen weniger intensiv werden,
- dass Schübe kürzer oder besser aushaltbar sind,
- und dass die Lebensqualität deutlich steigt.
Die Basics bei Fibromyalgie
Du hast vieles davon sicher schon gehört (und vielleicht kannst du es nicht mehr hören):
- leichte, regelmäßige Bewegung
- Entspannung (Atemübungen, Muskelentspannung, Achtsamkeitsübungen)
- ausgewogene, mikronährstoffreiche Ernährung
- ggf. psychologische Unterstützung, wenn Stress, Angst oder Depression mitspielen
Das sind alles keine Wundermittel, aber sie helfen deinem Nervensystem, aus dem Dauer-Alarm herauszukommen.
Dein Gehirn kann mehr als Schmerz
Auch wenn es sich manchmal anders anfühlt: Dein Gehirn kennt nicht nur Schmerz.
Es kennt auch:
- Interesse
- Freude
- Verbundenheit
- Ruhe
- Konzentration
Immer dann, wenn du in so einem Zustand bist, sind andere Netzwerke aktiv – und der Schmerz rückt zumindest für Momente etwas in den Hintergrund. Genau diese Zustände wollen wir bewusst stärken.
Dazu helfen dir ein paar einfache Fragen.
Drei Fragen, die dir zeigen, wo noch mehr möglich ist
Du kannst sie dir im Kopf beantworten oder aufschreiben:
Wann vergisst du den Schmerz ein kleines bisschen?
Gibt es eine Tätigkeit, bei der die Zeit schneller vergeht?
– z.B. malen, Musik, Garten, Handarbeiten, ein bestimmtes Spiel?Wobei kannst du zumindest kurz entspannen?
– eine Tasse Tee in Ruhe, eine warme Dusche, leise Musik, ein bestimmter Ort in deiner Wohnung?Was wolltest du schon lange ausprobieren – in klein?
– eine sanfte Bewegungsform, ein kreatives Hobby, ein Mini-Ritual am Morgen oder Abend?
Das sind keine „Ablenkungstricks“, sondern Trainingsreize für dein Nervensystem:
Mit jedem kleinen Moment, in dem nicht der Schmerz im Mittelpunkt steht, stärkst du andere Wege im Gehirn.

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