„Hast du es schon mal mit Yoga probiert?“ – Warum gut gemeinte Ratschläge bei Fibromyalgie so anstrengend sein können
Gleich vorweg: Ich habe überhaupt nichts gegen Yoga.
Im Gegenteil – viele Menschen mit Fibromyalgie profitieren von sanften Bewegungsformen wie Yoga, leichtem Ausdauertraining, Entspannungsverfahren oder bestimmten Ernährungsumstellungen.
Mir geht es in diesem Beitrag um etwas anderes.
Es geht um die gut gemeinten Ratschläge, die Menschen mit Fibromyalgie immer wieder zu hören bekommen, meist unfreiwillig.
Wenn du mit Fibromyalgie lebst, kennst du solche Kommentare vielleicht:
„Meine Kollegin hat das auch – aber seit sie XYZ macht, geht es ihr viel besser. Sie arbeitet sogar Vollzeit.“
„Du musst dich unbedingt basisch ernähren.“
„Du solltest wirklich mal Yoga ausprobieren – das hilft angeblich total gut bei Fibromyalgie.“
Diese Sätze sind meistens nicht böse gemeint. Viele Menschen wollen helfen und geben einfach das weiter, was sie gehört oder irgendwo gelesen haben.
Trotzdem kann genau das unglaublich anstrengend sein.
Denn oft schwingt eine Botschaft mit, die weh tun kann:
„Wenn du dich nur genug anstrengst, geht es dir besser.“
„Andere bekommen das doch auch hin.“
„So schlimm kann es doch nicht sein.“
Für Außenstehende mag das logisch klingen. Für Betroffene fühlt es sich jedoch häufig wie ein Infragestellen der eigenen Realität an.
Fibromyalgie ist nicht gleich Fibromyalgie
Ein Kernproblem dieser Ratschläge ist: Sie tun so, als gäbe es eine richtige Lösung für alle.
Aber bei Fibromyalgie funktioniert das so nicht.
Fibromyalgie ist eine sehr individuelle Erkrankung. Was einer Person guttut, kann für eine andere völlig ungeeignet sein.
Ein paar Beispiele:
Viele Menschen mit Fibromyalgie profitieren sehr gut von Wassergymnastik. Andere wiederum begeben sich äußerst ungern ins Wasser und sind vielleicht in einem Sportstudio besser aufgehoben.
Entspannungstechniken wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson helfen einigen Menschen richtig gut – andere empfinden sie als Qual und entspannen besser in der Natur oder beim Malen.
Diese Unterschiede sind kein Ausdruck von „fehlender Anstrengung“, sondern Teil dieser Erkrankung.
Warum ich keine Patentrezepte anbiete
Genau deshalb biete ich weder in meiner ärztlich-therapeutischen Arbeit noch in meiner Online-Begleitung einfache Patentlösungen an.
Natürlich geht es immer darum, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Das ist der gemeinsame rote Faden.
Aber: Bei Fibromyalgie gibt es nicht den einen Weg, der für alle passt.
In der Praxis sieht es eher so aus, dass wir gemeinsam einen Prozess durchlaufen:
Ausprobieren – verschiedene Möglichkeiten testen, z.B. Bewegung, Entspannung, Schlafhygiene, Ernährungsanpassungen.
Beobachten – was verändert sich wirklich? Wo wird es besser, wo vielleicht sogar schlechter?
Verstehen – Zusammenhänge erkennen: Was sind persönliche Trigger? Was tut gut? Was überlastet?
Anpassen – Schritte an die eigene Lebenssituation, die Tagesform und die individuellen Grenzen angleichen.
Das braucht Zeit und Geduld.
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