Fibromyalgie: Hör auf, dich zu vergleichen!
Neulich erzählte mir eine Patientin in einer meiner Gruppensprechstunden, dass sie sich im Fitnessstudio angemeldet habe. Eigentlich ein großer Schritt – und etwas, worauf sie stolz sein könnte. Denn sie hatte vorher lange Zeit keinen Sport gemacht.
Doch stattdessen sagte sie:
„Da trainiert eine Frau, die ist über 80 – und die schafft viel mehr als ich. Ich bin gerade mal Anfang 50 …“
Solche Sätze höre ich häufig von meinen Patientinnen und Patienten mit Fibromyalgie.
Denn wir Menschen neigen nun mal dazu, uns mit anderen zu vergleichen.
Und bei Fibromyalgie fällt dieser Vergleich oft ungünstig für dich aus. Oder?
Du siehst, was andere leisten – und blendest dabei komplett aus, dass dein Körper unter ganz anderen Voraussetzungen arbeitet.
Fibromyalgie ist nicht sichtbar. Aber sie beeinflusst:
- dein Schmerzempfinden
- deine Energie
- deine Belastbarkeit
Ein Vergleich mit jemandem, der diese Einschränkungen nicht hat, ist daher schlicht unfair – dir selbst gegenüber!
Der noch tückischere Vergleich: dein früheres Ich
Mindestens genauso belastend ist ein anderer Vergleich, den ich in meiner Praxis ebenfalls sehr häufig höre:
„Früher konnte ich das doch alles...“
Dieser Gedanke tut verständlicherweise weh. Denn er erinnert dich daran, was einmal möglich war.
Aber er hilft dir im Hier und Jetzt kein Stück weiter. Im Gegenteil: Er erzeugt Druck, Frust und oft auch das Gefühl, versagt zu haben. Und diese Gefühle machen es schwerer, überhaupt wieder ins Handeln zu kommen.
Warum diese Vergleiche dir schaden
Beide Arten von Vergleichen – mit anderen und mit deinem früheren Ich – führen oft dazu, dass du:
- dich überforderst („Ich müsste doch mehr schaffen“)
- oder komplett blockierst („Ich schaffe das sowieso nicht“)
Beides bringt dich nicht weiter. Was stattdessen fehlt, ist der Blick auf das, was für dich heute möglich ist.
Weg von: „Was schaffen andere?“ und: „Was konnte ich früher?“
Hin zu: „Was ist heute mein nächster machbarer Schritt?“
Das kann etwas sehr Kleines sein, vielleicht ein kurzer Spaziergang, ein paar Minuten Gymnastik. Es mag sich anfühlen, als sei das (zu) wenig. Aber wir Menschen unterschätzen, wie viel diese kleinen Schritte langfristig bewirken können. Gerade (aber nicht nur) bei Fibromyalgie sind sie enorm wichtig.
Ich möchte dich ermutigen, diese kleinen Schritte zu gehen. Heute, morgen, übermorgen ... du wirst die Erfolge sehen.

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