Früher habe ich das doch locker geschafft!

„Hör auf, dich mit anderen zu vergleichen!“ – das hast du bestimmt schon einmal gehört. Und es stimmt ja auch: Der Vergleich mit anderen (vor allem mit denen, die scheinbar leistungsfähiger sind und mehr schaffen) tut den meisten Menschen nicht gut.

Doch für Menschen mit Fibromyalgie gibt es einen Vergleich, der oft noch viel belastender ist: der Vergleich mit dem eigenen "früheren Ich".

Mit der Zeit, bevor die Krankheit so präsent war.
Mit der Zeit, als vieles noch leichter ging.

Eine Teilnehmerin aus einer meiner Patientengruppen hat das einmal so beschrieben:

„Ich weiß ja, dass ich mir nicht zu viel auf einmal vornehmen sollte und dass kleine Schritte besser sind. Aber früher habe ich doch viel mehr geschafft und war danach nicht halb so erschöpft. Da konnte ich locker alle Fenster in meiner Wohnung an einem Nachmittag putzen. Jetzt nehme ich mir jeden Tag zwei Fenster vor – und bin danach völlig erledigt. Wie soll ich mich denn damit abfinden?“

Vielleicht kennst du diesen Gedanken auch.

Dieses leise – oder manchmal auch ziemlich laute – Gefühl, dass du „eigentlich mehr können müsstest“. Dass du doch früher viel leistungsfähiger warst. Dass das, was du heute schaffst, im Vergleich zu früher irgendwie zu wenig wirkt.

Dieser kann unglaublich entmutigend sein.

Denn wenn du dein heutiges Ich ständig mit deinem früheren Ich vergleichst, kann dein heutiger Zustand nur verlieren. Der Maßstab ist einfach ein anderer. Dein Körper lebt heute mit anderen Voraussetzungen. Mit Schmerzen, Erschöpfung und Grenzen, die früher vielleicht gar nicht da waren.

Der Vergleich mit früher führt deshalb oft nicht zu Motivation – sondern zu Frust, Traurigkeit oder dem Gefühl, versagt zu haben.

Hör auf, unfair zu dir selbst zu sein.

Du lebst mit einer chronischen Erkrankung und meisterst deinen Alltag trotzdem. Und das braucht Kraft – oft viel mehr Kraft, als Außenstehende überhaupt sehen können.

Vielleicht ist es deshalb hilfreicher, den Blick ein wenig zu verändern.

Statt ständig zu denken: „Früher konnte ich doch…“
könntest du dich fragen: „Was ist heute möglich?“

Akzeptanz bedeutet dabei nicht, dass dir deine Situation gefallen muss. Niemand findet es schön, plötzlich weniger Energie zu haben oder schneller erschöpft zu sein.

Akzeptanz bedeutet etwas anderes: die Realität anzuerkennen, damit du von dort aus deinen Weg weitergehen kannst.

Wenn du akzeptierst, wo du gerade stehst, kannst du anfangen, dich von dort aus in kleinen Schritten zu bewegen.

Und plötzlich sehen zwei geputzte Fenster vielleicht ganz anders aus.

Dein Leben mit Fibromyalgie ist wahrscheinlich ganz anders als dein früheres Leben. Aber es besteht immer noch aus vielen kleinen Schritten, Erfolgen und Momenten, auf die du stolz sein kannst.

Sei freundlich zu dir selbst!

Kommentare