Wenn der Darm bei Fibromyalgie unberechenbar ist

 


„Mein Darm ist einfach unberechenbar.“

So beschrieb es kürzlich eine Patientin, die seit Jahren wegen Fibromyalgie in meine Sprechstunde kommt.
„Was ich gestern noch gut vertragen habe, löst heute Beschwerden aus.“

In den Wochen davor hatte sie sich intensiv mit Ernährung beschäftigt, hoch motiviert vieles umgestellt: mehr Gemüse, deutlich mehr Ballaststoffe, sie wollte insgesamt „antientzündlicher“ essen. Grundsätzlich sinnvolle Schritte – aber sehr schnell und sehr konsequent umgesetzt. Kurz darauf nahmen die Darmbeschwerden deutlich zu.

Diese Erfahrung machen viele Menschen mit Fibromyalgie. Reizdarmbeschwerden gehören häufig zum Krankheitsbild dazu – und sie verhalten sich oft ähnlich wie die Schmerzen selbst:
Empfindlichkeiten schwanken, Symptome wechseln, Rückschläge gehören dazu. Und nicht immer lässt sich klar erklären, warum ein Tag besser verläuft als der andere. Manchmal findet man einen Auslöser – manchmal auch nicht. Zu wissen, dass sich Symptome auch wieder verbessern können, hilft vielen, sich nicht zu schnell entmutigen zu lassen.

Auch das passt zu dem, was wir heute wissen:
Fibromyalgie und Reizdarmsyndrom teilen zentrale Mechanismen – ein besonders sensibles Nervensystem und Veränderungen der Darm-Hirn-Achse. Der Darm reagiert nicht isoliert, sondern eingebettet in Stress, Schlaf, Belastung und Erholung.

Was bedeutet das für die Praxis?
Beim Darm gilt bei Fibromyalgie dasselbe wie in vielen anderen Bereichen:
👉 Zu viel, zu schnell, zu ehrgeizig ist meist ungünstig.

Ernährungsumstellungen müssen langsam, behutsam und individuell erfolgen.
Zu viele Ballaststoffe auf einmal, radikale Veränderungen oder „alles gleichzeitig“ überfordern ein sensibles System – auch wenn die Maßnahmen grundsätzlich sinnvoll sind.

Was sich hingegen bewährt – und was ich immer wieder als hilfreich erlebe:

• feste Rhythmen und regelmäßige Mahlzeiten - möglichst kein "Snacken" zwischendurch
• Pausen, Entspannung und Nervensystem-Beruhigung
• ein langsamer Aufbau mit gut verträglichen, echten Lebensmitteln
• Geduld – auch mit Rückschlägen

Meine Erfahrung aus der Praxis:
Wenn Menschen über längere Zeit konsequent bei dem bleiben, was ihrem Darm gut tut, lassen sich echte Veränderungen erzielen – oft nicht nur im Bauch, sondern auch bei Erschöpfung, Belastbarkeit und Gesamtbefinden.

Fazit:
Der Darm ist bei Fibromyalgie kein starres System – sondern ein sensibles.
Und genau darin liegt auch eine Chance: Mit Regelmäßigkeit, Verständnis und Zeit lässt sich häufig mehr erreichen, als viele zunächst glauben.

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