Video Specials
- Link abrufen
- X
- Andere Apps
Pacing bei Fibromyalgie - was ich (neu) gelernt habe
Mit dem Begriff „Pacing“ bin ich erst in den letzten Jahren intensiver in Berührung gekommen – vor allem durch Patient:innen mit Post-Covid-Syndrom oder dem chronischen Erschöpfungssyndrom (ME/CFS).
Rückblickend war mir in der Behandlung von Fibromyalgie zwar schon lange klar, dass Bewegung und Aktivität sehr vorsichtig dosiert werden müssen. Zu viel kann kontraproduktiv sein. Was mich jedoch immer wieder überrascht hat, war, wie stark manche Patient:innen auf Belastungen reagierten, die auf den ersten Blick moderat erschienen.
Nicht selten kam es nach solchen Belastungen zu Tagen anhaltender Erschöpfung, verstärkten Schmerzen oder deutlichen Konzentrationsproblemen. Erst durch die intensivere Beschäftigung mit dem Konzept des Pacings wurde mir klar, dass diese Reaktionen einem nachvollziehbaren physiologischen Prinzip folgen – und dass es deutliche Parallelen zwischen Fibromyalgie, Post-Covid und chronischer Erschöpfung gibt.
Was bedeutet Pacing?
Pacing ist ein Konzept zur bewussten Steuerung von Energie und Aktivität. Ziel ist es, Überlastungen zu vermeiden, bevor sie zu einer deutlichen Verschlechterung der Symptome führen – oft als „Crash“ bezeichnet.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht Leistungssteigerung, sondern Stabilität. Betroffene lernen, ihre körperliche und mentale Energie besser einzuschätzen, Aktivitäten zu dosieren und Pausen rechtzeitig einzuplanen – also bevor Erschöpfung oder Schmerzen auftreten.
Was sagt die Wissenschaft dazu?
Die wissenschaftliche Diskussion rund um Pacing ist noch im Gange, liefert aber wichtige Erklärungsansätze.
Bei Erkrankungen wie ME/CFS ist gut beschrieben, dass es nach Belastung zu einer ausgeprägten und oft verzögerten Verschlechterung der Symptome kommen kann (post-exertional malaise). Auch bei Fibromyalgie berichten viele Betroffene über ähnliche Erfahrungen, selbst wenn Belastungen objektiv nicht besonders hoch waren.
Aktuell werden mehrere Mechanismen diskutiert, die diese Reaktionen erklären könnten:
-
eine gestörte Energieproduktion auf zellulärer Ebene
-
unterschwellige entzündliche Prozesse mit Aktivierung des Immunsystems
-
Veränderungen im vegetativen Nervensystem, das für Anpassung an Stress und Aktivität zuständig ist
-
eine veränderte Schmerz- und Reizverarbeitung im zentralen Nervensystem
-
sowie eine verzögerte oder unzureichende Regeneration nach Belastung
Diese Faktoren wirken nicht isoliert, sondern greifen ineinander. Das erklärt, warum Betroffene nicht einfach „untrainiert“ sind oder sich „mehr anstrengen“ könnten, sondern warum Aktivität tatsächlich Symptome verstärken kann.
Wichtig ist: Pacing bei Fibromyalgie bedeutet nicht Schonung um jeden Preis und auch nicht Inaktivität. Es geht darum, Aktivität so zu gestalten, dass sie für den Körper verarbeitbar bleibt.
Pacing in der Praxis
In meiner Arbeit unterstütze ich Patient:innen dabei, ihr persönliches Belastungsfenster kennenzulernen. Pacing sieht bei jedem Menschen anders aus. Es gibt kein starres Schema und keinen festen Plan, der für alle passt.
Ein zentraler Schritt ist, die eigenen Körpersignale ernst zu nehmen und zu akzeptieren, dass Belastbarkeit schwanken kann – abhängig von Schlaf, Stress, Schmerzen oder anderen Begleitumständen.
Dabei ist mir besonders wichtig zu vermitteln:
Diese Erschöpfung ist real.
Sie ist Teil des Krankheitsbildes.
Und sie ist kein Zeichen von Schwäche oder mangelnder Motivation.
Mein Fazit
Die Auseinandersetzung mit Pacing hat meinen Blick auf Fibromyalgie deutlich erweitert. Sie hilft, Symptome besser einzuordnen und Patient:innen das Gefühl zurückzugeben, nicht ausgeliefert zu sein.
Auch wenn viele Zusammenhänge noch erforscht werden, zeigt sich bereits jetzt: Ein bewusster, individueller Umgang mit Belastung kann helfen, Symptome zu stabilisieren und den Alltag besser zu bewältigen. Pacing ist für mich kein starres Konzept, sondern ein praktisches Werkzeug, das sich an den Menschen anpasst – nicht umgekehrt.
Verstehen, was bei Fibromyalgie passiert
Pacing ist mehr als eine Technik – es beginnt mit dem Verständnis für deinen Körper und seine Signale.
Wenn du weißt, warum Überlastung bei Fibromyalgie so schnell zu mehr Beschwerden führt, fällt es leichter, dein eigenes Tempo zu finden.
In meinem kostenlosen FibroCoach-Webinar erkläre ich dir verständlich,
-
was bei Fibromyalgie im Körper passiert,
-
warum „Augen zu und durch“ meist nach hinten losgeht,
-
und wie dieses Wissen die Grundlage für wirksames Pacing ist.
👉 Hier kannst du dich kostenlos anmelden und lernen, besser im Einklang mit deinem Körper zu leben.
- Link abrufen
- X
- Andere Apps
Beliebte Posts
Fibromyalgie & Ernährung: Warum Ballaststoffe oft Probleme machen - und wie es besser geht
- Link abrufen
- X
- Andere Apps
Fibromyalgie und die lange Suche nach dem richtigen Arzt
- Link abrufen
- X
- Andere Apps

Kommentare
Kommentar veröffentlichen