Was Fibromyalgie mit dem vegetativen Nervensystem zu tun hat

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Dass Fibromyalgie eine Schmerzkrankheit ist, stimmt nur bedingt. Denn obwohl die Schmerzen ständig präsent sind, begegnen mir immer wieder Betroffene, die andere Beschwerden als noch belastender empfinden. Dabei werden meiner Erfahrung nach am häufigsten genannt:

– Müdigkeit, schnelle Erschöpfbarkeit

– Konzentrationsprobleme

– Magen-Darm-Beschwerden (z. B. Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Nahrungsmittelunverträglichkeiten)

– Herz-Kreislauf-Beschwerden (z. B. Herzrasen, Schwindel)

– Vermehrtes Schwitzen und/oder leichtes Frieren

– Psychische Symptome, hauptsächlich Ängste und/oder depressive Stimmung

Dieses „bunte Bild“ an Symptomen erscheint auf den ersten Blick verwirrend. Vielen meiner Patienten wird auch erst während unseres Gespräches klar, dass diese Beschwerden tatsächlich etwas miteinander zu tun haben. Aber was denn eigentlich?

Das vegetative Nervensystem – sensible Steuerzentrale unseres Körpers

Unser vegetatives Nervensystem sorgt unbemerkt dafür, dass unser Körper sich flexibel an neue Situationen anpassen kann. Herzschlag, Blutdruck, Atmung, Verdauung, Schlaf und Regeneration werden durch unsere vegetatives Nervensystem reguliert. Das vegetative Nervensystem ist mit bestimmten Zentren im Gehirn eng verbunden, insbesondere mit unserem „Gefühlshirn“, dem limbischen System. Auch viele unsere Hormone werden durch das vegetative Nervensystem reguliert. So gelingt es uns, Höchstleistungen zu erbringen, wenn es darauf ankommt – und anschließend wieder zu entspannen.

Vegetative Fehlregulationen bei Fibromyalgie

Soweit zum Idealfall. Es gibt jedoch viele Menschen, bei denen das Zusammenspiel zwischen den beiden Hauptanteilen des vegetativen Nervensystems, nämlich dem „inneren Gaspedal“, dem Sympathikus, und der „inneren Bremse“, dem Parasympathikus, nicht so reibungslos funktioniert. Dies kann zum Beispiel durch Dauerstress bedingt sein – wenn die körpereigene Bremse kaum noch aktiv im Einsatz ist, lässt sie sich immer schwieriger aktivieren. Einige klinische Studien konnten bei Fibromyalgiepatienten Fehlregulationen im vegetativen Nervensystem nachweisen. Dies geschieht meist über eine Messung der Herzratenvariabilität (HRV). Wenn Sie dazu mehr wissen möchten, können Sie sich auf meiner Praxis-Webseite hierzu informieren: http://www.dr-debeer.de/hrv-herzratenvariabilitaet-köln.html

Und wenn man die oben beschriebenen typischen Symptome des Fibromyalgiesyndroms näher betrachtet, wird klar: Die meisten von ihnen stehen in einem engen Zusammenhang zu den Funktionen des vegetativen Nervensystems.

Zurück zur vegetativen Balance

Doch wie lassen sich Fehlregulationen des vegetativen Nervensystems behandeln?

Es gibt zwei wesentliche Ansatzpunkte, die optimalerweise miteinander kombiniert werden: Bewegung und Entspannung. Warum das so ist? Unser vegetatives Nervensystem braucht beides, um in Balance zu bleiben: Momente, in denen wir „Gas geben“  (damit meine ich aber keine sportlichen Höchstleistungen!) und dabei den Sympathikus aktivieren und dann auch wieder Zeiten der Ruhe und Regeneration, in denen vorwiegend unser Parasympathikus aktiv ist.

Bewegung ist dabei jedoch nicht gleich Bewegung: Es ist vor allem leichtes Ausdauertraining (z. B. Walken, Schwimmen, Radfahren), das langfristig zu messbaren Verbesserungen der vegetativen Balance führt. Dies lässt sich dann wiederum über eine HRV-Messung nachweisen. Wenn Sie unter körperlichen Erkrankungen leiden, sollten Sie sich zuvor ärztlich beraten lassen, welche Bewegung für Sie gut geeignet sind.

Und Entspannung? Im Grunde wirken sich alle klassischen Entspannungsverfahren positiv aus – sofern man es schafft, sich tatsächlich darauf einzulassen. Das gelingt meist nicht beim ersten Versuch. Meiner Erfahrung nach sind vor allem Atemtechniken leicht zu erlernen und gut geeignet, den Parasympathikus gezielt zu aktivieren. Sie haben den Vorteil, dass man sie mit etwas Übung auch in akuten Stress-Situationen oder bei Schmerzzuständen erfolgreich einsetzen kann. Wer den Erfolg auch bildlich sehen möchte, für den sind Biofeedback-Techniken gut geeignet.

Empfehlenswert sind bei Fibromyalgie auch meditative Bewegungstechniken (z. B. Yoga, Tai Chi, Qi Gong) – auch für diese wurden schon positive Effekte auf das vegetative Nervensystem nachgewiesen und sie werden sogar in den Leitlinien zum Fibromyalgiesyndrom empfohlen.

Sowohl bei Bewegung als auch bei Entspannung gilt aber als oberstes Prinzip: Sie müssen sich mit der Methode wohlfühlen! Nur dann werden Sie sie nämlich auch regelmäßig praktizieren, und nur dann stellen sich mit der Zeit Erfolge ein.

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