Ist Fibromyalgie eine stressbedingte Erkrankung?

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Fibromyalgie macht sich durch eine Vielzahl körperlicher Beschwerden bemerkbar.

Und dennoch wird nahezu jeder Betroffene früher oder später gefragt: „Haben Sie psychische Beschwerden? Stehen Sie unter Stress?“

Viele Patienten haben mir berichtet, dass sie sich darüber sehr geärgert haben. Sie möchten nicht, dass ihre Beschwerden zu Unrecht als „psychisch“ oder „stressbedingt“ eingeordnet werden. Schließlich haben sie durch ihre Erkrankung starke körperliche Einschränkungen.

Suche nach den Ursachen noch nicht abgeschlossen

Und tatsächlich hat die Forschung in den letzten Jahren einige wichtige Erkenntnisse zu den Ursachen gewonnen: Zum Beispiel, dass genetische Faktoren bei Fibromyalgie mit großer Wahrscheinlichkeit eine Rolle spielen. Bei einem Teil der Patienten wurden auch Veränderungen an kleinen Nervenfasern der Haut festgestellt. Auch wenn noch weiter intensiv geforscht werden muss, kann man doch zumindest annehmen, dass es körperliche Faktoren gibt, die das Auftreten der Erkrankung fördern.

Stress verschlimmert die Beschwerden

Und dennoch: Ein Zusammenhang zwischen Fibromyalgie und Stressbelastungen gilt ebenfalls als gesichert. Viele meiner Patienten haben bei sich selbst festgestellt, dass sich die Beschwerden unter Stress verschlimmern. Und manche berichten, dass die Erkrankung nach einer sehr belastenden Lebensphase aufgetreten sei.

Wie also sind diese auf den ersten Blick widersprüchlichen Ergebnisse in Einklang zu bringen?

Die meiner Meinung nach plausibelste Erklärung ist, dass mehrere Faktoren zusammenkommen müssen, damit die Fibromyalgie tatsächlich auftritt.

Einfach ausgedrückt: Wer aufgrund bestimmter Gene eine erhöhte „Bereitschaft“ hat, an Fibromyalgie zu erkranken und dann auch noch andauernden Belastungen ausgesetzt ist, hat ein größeres Risiko zu erkranken.

Welcher Stress begünstigt Fibromyalgie?

Es gilt mittlerweile als sicher, dass sehr belastende Erfahrungen in der Kindheit (dazu gehören beispielsweise Gewalterfahrungen, aber auch schwere Unfälle oder langwierige Klinikaufenthalte) das Risiko erhöhen, später an chronischen Schmerzen zu leiden. Wissenschaftler gehen davon aus, dass durch diese frühen Erfahrungen die Schmerz- und Stressverarbeitung im Gehirn langfristig beeinträchtigt wird.

Wichtig ist aber zu wissen: Nicht jeder, der an Fibromyalgie leidet, hat in seiner Kindheit solche Erfahrungen machen müssen. Und natürlich erkrankt nicht jeder Mensch mit traumatischen Kindheitserfahrungen später an Fibromyalgie. Ein statistischer Zusammenhang ist jedoch da.

Eine ganz wesentliche Rolle spielt aber auch der heutige, aktuelle Stress, dem wir tagtäglich ausgesetzt sind. Dabei ist vor allem anhaltender Dauerstress problematisch: Lang andauernde berufliche Überlastung oder Mobbing, Konflikte in der Familie, Pflege von kranken Angehörigen… die Liste lässt sich problemlos fortsetzen!

Unser Körper kann kurze Belastungen (z. B. eine überschaubare Stressphase im Job) meist recht gut „wegstecken“ – wenn danach eine Erholungsphase folgt. Dauert die Stresssituation jedoch immer weiter an, hat unser vegetatives Nervensystem keine Möglichkeit, vom „Stressmodus“ in den „Ruhemodus“ zu schalten. Die vegetative Balance wird gestört, und dies kann zu langfristigen Veränderungen im Nervensystem und im Stresshormonhaushalt führen.

Fibromyalgie ist Stress

Noch einen Punkt möchte ich gerne erwähnen, da er meiner Meinung nach oft zu wenig beachtet wird: An Fibromyalgie zu leiden, erzeugt für sich genommen eine ganze Menge Stress! Denn alltägliche Aufgaben, die für andere Menschen selbstverständlich sind, können für Betroffene eine große Anstrengung darstellen. Da stellt sich dann natürlich immer die alte Frage mit dem Huhn und dem Ei: Was war denn nun zuerst da, der Stress oder die Schmerzen?

Auch wenn jeder diese Frage für sich selbst beantworten muss: Es lohnt sich, das Thema „Stress“ etwas genauer anzuschauen. Denn auch wenn viele äußere Gegebenheiten nur schwer zu verändern sind, können wir etwas tun, um besser mit ihnen zurecht zu kommen.

 

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