Fibromyalgie: Welcher Arzt ist der richtige?

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Natürlich hat jeder Mensch, der an Fibromyalgie erkrankt, seine ganz eigene Geschichte. Die Schmerzen können an unterschiedlichen Stellen beginnen – im Rücken, in den Schultern, in den Füßen. Bei manchen treten sie recht akut auf, vielleicht sogar nach einem Unfall oder einer Operation. Andere berichten über einen schleichenden Beginn.

Und doch gibt es eine Erfahrung, von der mir nahezu jeder Betroffene, mit dem ich bisher gesprochen habe, berichtet hat: Eine monate-, manchmal sogar jahrelange, nervenaufreibende „Arzt-Odyssee“.

Erkennen Sie sich in dieser Geschichte wieder?

Vor kurzem hat eine 43jährige Teilnehmerin meines Patientenseminars ihre Erfahrungen so geschildert: „Rückenschmerzen hatte ich schon mit 20 – die habe ich erst wenig beachtet. Sie wurden aber von Jahr zu Jahr schlimmer. Vor 10 Jahren kamen plötzlich Schmerzen in der rechten Schulter hinzu. Da mein Hausarzt nichts feststellen konnte, überwies er mich zu einem Orthopäden. Ich erhielt Schmerzmittel und auch eine Spritze – leider ohne Erfolg. Da mir mittlerweile auch die Hände weh taten und sich morgens geschwollen anfühlten, überwies er mich zu einem Rheumatologen. Der nahm Blut ab und teilte mir dann mit, dass ich kein entzündliches Rheuma habe. Er hat dann auch die Diagnose „Fibromyalgie“ gestellt. Allerdings sagte er mir auch, dass man da nicht viel machen könne und dass die Krankheit in erster Linie stressbedingt sei. Möglicherweise sei ich auch depressiv. So bin ich schließlich bei einem Psychiater gelandet. Der sagte wiederum, dass ich am besten eine kognitive Verhaltenstherapie machen solle, die er wiederum aber nicht anbiete…“

Viele andere Teilnehmer konnten sich in diesem Bericht wiedererkennen. Sie auch? Dabei ist das Fibromyalgiesyndrom gar keine seltene, exotische Krankheit.

Warum wird die Diagnose so spät gestellt?

Die Diagnose wird aber oft erst nach Jahren gestellt. Dafür sehe ich in erster Linie zwei Gründe:

Erstens: Die Beschwerden sind äußerst vielgestaltig. Schmerzen betreffen verschiedene Körperbereiche und wandern auch häufig. Andere typische Symptome wie z. B. Müdigkeit oder Reizdarmbeschwerden werden nicht mit den Schmerzen in Verbindung gebracht, sondern von unterschiedlichen Ärzten abgeklärt.

Zweitens: Es gibt keine „handfesten“ Befunde. Damit meine ich etwa Ergebnisse von Blut- oder Röntgenuntersuchungen, die z. B. bei entzündlichem Rheuma auffällig sind, beim Fibromyalgiesyndrom aber unauffällig ausfallen. Die körperliche Untersuchung ist natürlich wichtig, auch wenn man von den „Tender points“ zuletzt eher abgekommen ist.

Ich habe sogar einige Patienten kennengelernt, die ihre Diagnose nach Internetrecherche selbst vermutet haben und dann gezielt nach einem Spezialisten für diese Erkrankung gesucht haben. Doch wer ist eigentlich Spezialist für Fibromyalgie?

Wer ist Spezialist für Fibromyalgie?

Auch diese Frage wird mir sehr häufig gestellt, und meine Antwort ist: „Der Arzt, der sich mit der Behandlung des Fibromyalgiesyndroms gut auskennt und bei dem Sie sich gut aufgehoben fühlen!“

Das hat gar nicht so viel mit der Fachrichtung des Arztes zu tun. Viele Hausärzte haben Erfahrung mit dieser Erkrankung und haben auch einen guten, umfassenden Blick für die verschiedenen Problembereiche, die bei Fibromyalgie gebündelt auftreten.

Viele meiner Patienten werden auch von Rheumatologen behandelt. Das hat den Grund, dass die gelenknahen Schmerzen häufig zunächst den Verdacht auf eine rheumatische Erkrankung lenken (zur Unterscheidung zwischen Fibromyalgie und Rheuma können Sie sich hier informieren).

Sie werden vermutlich auch feststellen, dass es sinnvoll ist, mehrere kompetente Ansprechpartner aus unterschiedlichen Fachrichtungen zu haben und sich so ein eigenes „Gesundheitsteam“ zusammenzustellen. Neben Ärzten können hier auch Physio- und Ergotherapeuten, ggf. auch Psychotherapeuten einen wichtigen Beitrag leisten.

 

 

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