Fibromyalgie und Reizdarm – wie passt das zusammen?

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Dass bei Fibromyalgie neben den ständigen Schmerzen auch häufig Beschwerden verschiedener Organsysteme auftreten, wissen Sie ja bereits.

Die Liste von körperlichen Symptomen, die von Betroffenen häufig genannt werden, ist sehr lang: Kloßgefühl im Hals, Schwindel, Herzrasen, Übelkeit, häufiger Harndrang, starkes Schwitzen, Schwellungsgefühl (vor allem) der Hände … und viele weitere mehr. Natürlich sind die Beschwerden von Mensch zu Mensch unterschiedlich – was den einen Betroffenen quält, tritt bei dem anderen gar nicht auf. Unter anderem deswegen ist es ja so schwierig, die Diagnose „Fibromyalgie“ zu stellen.

Ich führe keine Statistik, habe aber den Eindruck, dass die mit Abstand häufigsten organbezogenen Begleitsymptome der Fibromyalgie den Magen-Darm-Trakt betreffen. Die Probleme machen sich häufig als „Reizdarmsyndrom“ bemerkbar: der Darm reagiert empfindlich auf verschiedene Nahrungsmittel, Betroffene neigen zu Durchfall, manchmal auch Verstopfung, leiden unter Blähungen und krampfartigen Bauchschmerzen.

Reizdarm – Leiden ohne Ursache?

Zunächst ist wichtig zu wissen: Die Diagnose „Reizdarmsyndrom“ kann nur von einem Arzt gestellt werden, der zuvor die Beschwerden genau erfragt und eine körperliche Untersuchung durchgeführt hat. Das ist notwendig, damit andere Krankheiten nicht übersehen werden. Ob noch weitere Untersuchungen (z. B. Blutuntersuchung, Ultraschall, Magen- oder Darmspiegelung) erforderlich sind, wird im Einzelfall entschieden. Bei typischen Beschwerden und fehlender sonstiger Ursache kann dann die Diagnose „Reizdarmsyndrom“ gestellt werden. Es handelt sich also um eine Ausschlussdiagnose.

Das kommt Ihnen vermutlich bekannt vor – bei der Fibromyalgie ist es schließlich ganz ähnlich! Und noch etwas haben die beiden Diagnosen gemeinsam: Sie werden als „funktionelle Störungen“ eingeordnet. Funktionell bedeutet: Obwohl an einem Organ keine Schädigung nachzuweisen ist, ist seine Funktion beeinträchtigt und daraus entstehen Beschwerden. Und diese können sowohl beim Reizdarmsyndrom als auch bei der Fibromyalgie beträchtliche Ausmaße annehmen. Es handelt sich bei funktionellen Störungen also keineswegs um „eingebildete“ Krankheiten, sondern um echte Beschwerden, die dadurch ausgelöst werden, dass bestimmte Abläufe und Kommunikationswege im Körper beeinträchtigt sind.

Reizdarm und Fibromyalgie – viele Gemeinsamkeiten

Auch beim Reizdarmsyndrom gibt es nicht „die eine“ Ursache. Ähnlich wie bei der Fibromyalgie spielen körperliche Faktoren (z. B. Infektionen) als (Mit)ursache vermutlich eine Rolle. Die Ernährung hat bei vielen einen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung. Auch Reizdarmpatienten berichten häufiger als Nicht-Betroffene über stark belastende Lebensereignisse in der Vergangenheit und aktuelle Stressfaktoren. Und auch beim Reizdarmsyndrom scheint die Reizverarbeitung ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis der quälenden Beschwerden zu sein: Reize, die durch Dehnung und Bewegung des Darms entstehen, werden von Betroffenen stärker und schmerzhafter wahrgenommen. Das komplexe Nervensystem, das den menschlichen Darm durchzieht und seine Funktion reguliert, reagiert bei Betroffenen sehr sensibel auch auf kleinste Veränderungen. Das wiederum führt zu Störungen der Darmbewegungen. Die Folgen bekommen Betroffene dann als Bauchkrämpfe, Verstopfung oder Durchfall zu spüren.

Längst nicht alle Fragen beantwortet

Sowohl zum Fibromyalgie- als auch zum Reizdarmsyndrom muss weiter geforscht werden, denn noch längst sind nicht alle Fragen beantwortet. Aber die Erkenntnisse, auf die wir heute schon zurückgreifen können, machen klar, warum die beiden Erkrankungen so häufig gemeinsam auftreten. Und warum auch die Therapie des Reizdarmsyndroms auf mehreren Ebenen ansetzen sollte, um langfristig erfolgreich zu sein.

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